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Geschichtstafel

 
1411: Von diesem Jahr an Akten über Hexenprozesse in Eichstätt, und zwar aus den Jahren 1411, 1417, 1590, 1626, 1628, 1630, 1637.

1412: Der Rat der Stadt bestimmt den Totengräberlohn, und zwar für einen alten Menschen zehn,für einen jungen vier Pfennig,für Arme nichts, gleich ob der Boden gefroren ist oder nicht.

1414: Der Rat der Stadt erlässt eine Pflasterzollordnung.

1419 bis 1436: Zeit der Hussitenkriege. Bischof Johann II. Freiherr von Heideck empfiehlt sein Bistum dem Schutz Mariens, lässt das Fest der unbefleckten Empfängnis besonders feierlich begehen und führt das Gebetläuten am Morgen und Schiedsgeläut zum Freitag mittag ein, um die Abwendung der Hussiten zu erbitten.

1436: Der Domherr Peter von Heltburg gründet die feierlichen Provisurgänge in Eichstätt und stiftet Stipendien für vier Chorknaben, die verpflichtet sind,bei jedem Versehgang zu Kranken und Sterbenden die Kerzen zu tragen und, falls die Provisur über Land ging, den Priester bis zum Stadttor zu begleiten. Bei der Fronleichnamsprozession hatten sie als Engel gekleidet neben dem Allerheiligsten einherzugehen.

1444: Am 21. September Grundsteinlegung für das Rathaus als Ausdruck des erstarkten Bürgertums. In der Stadt waren zu dieser Zeit bedeutende Kaufleute tätig,die die Hofhaltung des Bischofs und des Herzogs Ludwig des Bärtigen in Ingolstadt versorgten; Blütezeit des Tuchmacherhandwerks, das 800 Personen beschäftigte.

1445/1464: Während der Regierungszeit des Bischofs Johann III. von Eych ist Eichstätt Mittelpunkt des deutschen Frühhumanismus; der Bischof ist außerdem bemüht um kirchliche Reformen. Er verjagte aber auch alle Juden aus der Stadt und dem ganzen Bistum. Juden, die sein Gebiet betraten, mussten besondere Abzeichen am Kleide tragen:die Männer vorne am Rock einen roten runden Fleck, die Frauen einen gelben Streifen auf der Kopfbedeckung.Außerdem wurden jährlich die Wuchergesetze verkündet und alle Christen vom Sakramentenempfang ausgeschlossen, die bei Juden dienten, ihre Kinder erzogen oder sonst Gemeinschaft mit ihnen hatten. Ebenso behandelte er Gaukler, Zauberer,Wahrsager und Kartenschläger.

1464 bis 1496: Unter der Regierungszeit von Bischof Wilhelm von Reichenau entstehen am Dom das Mortuarium und die Kapitelsakristei, im Dom der Pappenheimer Altar und ein neuer Hochaltar; der Bischof ist ein Förderer der Künste und Wissenschaften.

1460: Herzog Ludwig von Bayern-Landshut belagert mit 12000 Mann Eichstätt (weil der Bischof mit Markgraf Albrecht Achilles von Ansbach verbündet ist), brennt Osten- und Buchtalvorstadt nieder. Standhafte Verteidigung durch Militär und Bürger und sogar durch die Domherren,während die Patres von Rebdorf die Gottesdienste - es war während der Karwoche - feiern.

Um 1460: Gründung des Augustinerinnenklosters Marienstein.

1470: Am 5. Dezember wird der Humanist Willibald Pirkheimer in Eichstätt geboren; sein Vater Johann Pirkheimer steht seit 1469 im Dienst des Eichstätter Fürstbischofs.

1472: Herzog Ludwig der Reiche von Bayern-Landshut gründet die Universität Ingolstadt; der Eichstätter Bischof ist deren Kanzler (bis 1800).

1484 bis 1496: Buchdruckerei des Michael Reyser in Eichstätt.Nach anderen Quellen: Bischof Wilhelm von Reichenau schenkt dem berühmten Buchdrucker Magister Georg Reyser das Bürgerrecht in Eichstätt und dieser druckt mit seinem Vetter Michael Reyser auf einer 1479 in Eichstätt ständig aufgestellten und erst 1484 nach Würzburg versandten Presse mehrere kirchliche Werke.
 
1485: Das Kürschnergewerbe bildet das erste Gewerbe mit einer eigenen Handwerksordnung.

1492: Bischof Wilhelm von Reichenau erbaut die Hofmühle unterhalb der Willibaldsburg, jetzt "Brauerei Hofmühl", sein Nachfolger Gabriel von Eyb vollendet den Bau.

1495: Der Domherr Bernhard Adelmann von Adelmannsfelden schenkt seinen Hof zu Meilenhofen nebst Zins und Gült dem Magistrat Eichstätt,damit aus den Erträgen für bedürftige Bürger von Eichstätt die vom Bischof auferlegte Steuer bezahlt werden könne. Im selben Jahr schenkt Domvikar Doernpaintner dem Magistrat von Eichstätt 700 Gulden, damit aus dem Zins jeden Quatemberfreitag die Armen Almosen und 32 Arme beim Bader ein Bad erhalten.

1513/1554: Loy Hering, geboren um 1485 in Kaufbeuren, Schüler von Hans Peuerlein in Augsburg, wirkt in Eichstätt; er ist einer der führenden Meister der deutschen Frührenaissance.Gestorben 1554 in Eichstätt. Zu seinen bedeutendsten Arbeiten zählen das Willibald- Denkmal und das Steinkruzifix ("Loy-Hering-Kreuz") im Dom.

1525: Während des Bauernaufstandes verwüstet der Mässinger Bauernhaufen Teile des unteren Hochstifts; die aufständischen Bauern halten auch Verbindung zu revolutionären Strömungen in Eichstätt. So schließen sich ihnen unter Führung des Tuchmachers Hans Heule 200 Eichstätter Tuchknappen an.

1530: Der bislang in Eichstätt übliche Brauch, dass die Brautleute bei der Trauung die schönsten Messgewänder vor dem Altar tragen, um die Vermählung Christi mit seiner Braut würdiger darzustellen, wird abgeschafft. Fortan wird der Brautrock getragen. - Als Strafe für Verleumdung und Ehrabschneidung wird in der Stadt das "Steinhängen" eingeführt: "Item, welche Frau,Tochter oder Magd der anderen ihr Ehr freventlich redt und flucht, die soll geben 100 Eier und strafbar sein mit dem Stein gegen dem Gericht." - Der Verurteilten wurde ein Stein um den Hals gehängt, und mit diesem Schandzeichen musste sie öffentlich Pranger stehen.Viele derartige Steine hingen um 1530 unter den Fenstern des Rathauses in Eichstätt.

1534: Der Domfriedhof wird aufgelassen. Dafür wird außerhalb der Stadt für die Pfarrei Unserer Lieben Frau der Ostengottesacker errichtet.

1540 bis 1546: Eine verheerende Epidemie rafft viele Menschen in Eichstätt dahin,sodass der Ostengottesacker vergrößert werden muss.

1548: Bischof Moritz von Hutten (1539 bis 1552) errichtet das Institut der Singknaben - man könnte es als Vorläufer des Domchores ansehen -, die alle Feiertage im Dom und bei Hof singen mussten; dafür bekamen sie freie Schule,"die Suppen" und jährlich 16 Pfennige nebst einem neuen Rock.

1550: Moritz von Hutten lässt den Getreidespeicher am Residenzplatz erbauen (jetzt "Altes Stadttheater") und die lateinische Inschrift anbringen:Wer sein Getreide versteckt, der sei verflucht unter den Leuten; Segen über das Haupt derer, die es verkaufen.

1552: In Rebdorf stirbt Kilian Leib, geboren 1471, Prior des Klosters ab 1499 und seit 1503 Propst, berühmt als Geschichtsforscher und Theologe, auch Wetteraufzeichnungen sind von ihm erhalten. Während seines Wirkens auch Besuch des Dr. Faustus in Rebdorf.

1564: Bischof Martin von Schaumberg (1560 bis 1590) gründet das erste tridentische Priesterseminar im deutschen Sprachraum (Collegium Willibaldinum); es ist die Keimzelle der heutigen Universität.
  
1594: Anfänge einer "Stadtpolizei":Vom 30. März an werden statt der bisherigen vier nunmehr sechs Sicherheitswächter aufgestellt. Ihr Wochenlohn beträgt 30 Kreuzer. Bischof, Domkapitel und Rat der Stadt haben je zwei auszuwählen.

1597: Auf der Willibaldsburg wird ein Botanischer Garten angelegt, der berühmte "Hortus Eystettensis"; 1613 erscheint die erste Ausgabe des Kupferstichwerks von Basilius Besler (Nürnberg) mit 367 Tafeln, die Abbildungen der Pflanzen dieses Gartens enthält. Während des Dreißigjährigen Krieges wird die Gartenanlage,die sich terrassenförmig auf dem Burgareal erstreckt, verwüstet.

1609: Am 14. Mai wird der Grundstein für den Gemmingenbau der Willibaldsburg gelegt. Baumeister ist Elias Holl, Augsburg.

1617: Am 13. März wird der Grundstein für die Jesuitenkirche (Schutzengelkirche) gelegt. Die Jesuiten wirkten von 1614 an in Eichstätt. Die Einweihung der Kirche erfolgt am 30. August 1620 durch Bischof Johann Christoph von Westerstetten im Beisein der Bischöfe von Bamberg und Augsburg. 1624 wird der Grundstein für das Kollegium und Gymnasium der Jesuiten (jetzt Priesterseminar) gelegt.

1623: Berufung der Kapuziner nach Eichstätt, die sich im ehemaligen Schottenkloster niederlassen. Kirche am 12. Oktober 1625 geweiht.

1629 bis 1631: Neubau der Kirche St.Walburg.

1634: Am 12.Februar Eroberung und nahezu völlige Zerstörung der Stadt durch die Schweden. 444 Häuser und sechs Kirchen werden Raub der Flammen. Nur 127 Häuser, der Dom, die Stadtpfarrkirche Unsere Liebe Frau, St.Walburg, Dominikanerkirche und Johanneskirche bleiben verschont. - Am 5. September werden weitere 44 Gebäude angezündet. Das Tuchmacherhandwerk geht völlig unter. - In dieser Zeit große Sterblichkeit in der Stadt: 1630: 141 Tote; 1631: 178, 1632: 494, 1633: 827 und 1634: 982, und das bei etwa 5000 bis 6000 Einwohnern insgesamt.

1639: Von diesem Jahr an Wiederaufbau der Stadt nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges: 1639 Hofmühl, 1649 Domkapiteltrinkstube, 1661 und folgende Jahre St.Walburg, 1669 Kloster Marienstein. - Fürstbischof Johann Euchar fördert den Wiederaufbau der Stadt durch Erlass vom 12. Juni 1685, damit 51 Jahre nach der Brandschatzung durch die Schweden die immer noch vorhandenen vielen Brandstätten beseitigt und schönere Gebäude entstehen sollten. Nach diesem Erlass sollte, wer "stadtmäßige, von Grund aus gemauerte, dreistöckige Häuser" baue, die nicht mit Schiefer, sondern mit Ziegeln gedeckt sein sollten, den Bauplatz zu billigen Preisen,das Holz zum Bau unentgeltlich und dann noch 15 bis 20 Jahre volle Steuerfreiheit erhalten.
  

1681: Am 17. September bricht durch Blitzschlag im Südflügel des Gemmingenbaues der Willibaldsburg Feuer aus. Der Hausmeister Gottfried Wendel läuft,um zu löschen,auf den Dachboden,wagt sich zu nahe an das brennende Gebälk und muss sich zuletzt auf den Vorsprung des Kupferdaches flüchten. Das Kupfer beginnt zu glühen und der Unglückliche muss, um der Feuersgefahr zu entgehen, 18 Meter tief auf ein eiligst zubereitetes Lager aus Betten und Decken springen. Er verfehlt die Unterlage und kommt ums Leben.Sein Grabstein an der Ostseite der Friedhofskapelle bewahrt die Erinnerung an ihn.

1689: Die Äbtissin Cordula Litzler lässt die steinerne Freitreppe - Walburgisstiege - von der Westenstraße zum Vorplatz vor der Kirche St.Walburg erbauen.

1690: Die Eichstätter Schützenbruderschaft entsteht; Schützenbund schon seit 1673.Die Tradition des Schützenwesens reicht zurück bis auf die Landfriedensordnung von 1397.

1694: Eine Verordnung vom 16. August verbietet bei Androhung einer Gefängnisstrafe den alten Brauch des Pfingstvogels. Am Pfingstmontag senkte sich nämlich aus dem Kirchengewölbe eine Taube als Heiliger Geist nieder. Darauf erfolgte ein Wasserguss, der einen der emporschauenden Kirchenbesucher treffen musste. Dieser galt dann als Pfingstvogel, wurde als solcher entsprechend ausstaffiert und um ihn wurde ein allgemeiner Tanz aufgeführt.

1696: Verbot der Bräuche des "Brautausstoßens" und des "Löll":Kam eine Braut von der Trauung aus der Kirche zurück in die Wohnung, so wurde sie von den Unverheirateten auf einen Stuhl gesetzt und von da aus der Gesellschaft der Ledigen gestoßen.- "Löll" oder "Döll" nannte man einen Strohmann,den man zur Fastnacht durch die Straßen führte.
Man bildete anschließend um ihn einen Ring und hielt förmlich Gericht über ihn. Dabei wurden ihm alle Skandale und lustigen Streiche, die sich das ganze Jahr hindurch in der Stadt zugetragen hatten,zur Last gelegt und schließlich wurde er verbrannt. - Ein Steuerbuch aus demselben Jahr gibt Einblick in das Gewerbe der Stadt. Danach bestanden 1696 in Eichstätt u. a. 15 Bäcker, 8 Melber, 25 Metzger, 14 Bierbrauer, 22 Wirte, 23 Schuster, 11 Rotgerber, 6 Weißgerber, 13 Maurer, 8 Tuchmacher, 13 Weber und 17 Krämer, darunter ein Großkaufmann.